Montagnola Senese

Das grüne Paradies der Toskana

Nur zehn Kilometer nordwestlich von Siena entfernt an der Via Francigena, verändert die Toskana plötzlich ihr Gesicht. Die ockerfarbenen Hügel mit ihren Weinbergen und Olivenhainen verschwinden, stattdessen erstrahlen die Hügel dank üppiger Mischwälder in einem saftigen Grün. Unter Eichen und Kastanien wuchern die Wildrosen und plätschern die Bäche mit einzelnen, uralten, steinernen Brücken. Es duftet nach Wachholder und wilden Blumen, und im dichten Unterholz versteckt sich das Wild. Es ist das grüne Paradies der Toskana: Die Montagnola Senese. Einige Reiseführer zählen die Montagnola Senese zum Oberen Elsa-Tal, in anderen wird sie als „Umgebung Sienas“ beschrieben. Dabei ist die Gebirgskette der Montagnola ein kleines, eigenständiges Gebiet und der Gemeinde Sovicille zugeordnet. Zu ihr gehören die Gemeinden Casole D’Elsa, Monteriggione und Sovicille. Südwestlich grenzt die Montagnola Senese an die Colline Metallifere.

Flora und Fauna

Die Wälder der Montagnola Senese wirken ursprünglich und fast unberührt. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass diese Landschaft zu den beliebtesten Ausflugszielen der Bewohner von Siena gehört. Nur wenige Autominuten von ihrer Stadt entfernt können sie hier im staubigen und trockenen Hochsommer im wahrsten Sinne des Wortes frische Luft schnappen. Die Montagnola Senese ist leicht bergig und voller Laubbäume, Wacholderbüschen, Wildrosen und Ginster. Esskastanien, Steinpilze und Wildschweine gehören zu den wichtigsten Spezialitäten der Toskana, und sie stammen meist von hier. Aber nicht alles wächst und gedeiht hier wild. Die Schweineart Cinta-Senese wird hier seit über tausend Jahren halbwild gezüchtet und wird dann nach einem glücklichen Leben unter Kastanien geschlachtet. Aus den Cinta-Senese-Schweinen produziert man den weltberühmten toskanischen Schinken.

Ausflüge und Abenteuer

Das Schöne an der Montagnola Senese ist, dass alle großen Straßen an ihr vorbeiführen. Es gibt nur einige alte, schmale Straßen und Schotterwege für Vespa-Fahrer und Reiter. Durch die Wälder führen viele gepflegte Wanderwege. Trotz der Nähe zu Siena ist es deshalb hier sehr still und ruhig. Die Berge und Wälder eignen sich für lange Wanderungen entlang der Bäche in den Tälern der Merse und der Elsa. Man kann hier stundenlang wandern, ohne auf ein Auto zu treffen. Verstreut in den Wäldern liegen einzelne alte prachtvolle Villen, historische Kirchen und malerische Dörfer, die sich hinter dicken, jahrhundertealten Stadtmauern verstecken.
Die Landschaft ist bei Kulturfreunden und Wanderern, aber auch bei Abenteurern sehr beliebt. Denn in den Hügeln gibt es 80 Höhlen, die teilweise offen sind und die erobert werden können. Einige sind einfach zu erkunden, andere jedoch so schwierig, dass sich nur echte Höhlenkletterer hinein wagen sollten. Als schönste Höhle gilt die Grotta del Chiostraccio, die jedoch nicht ganz einfach zu erkunden ist. Etwas unheimlich ist die schöne Tropfsteinhöhle auch: 1962 fand man hier die Überreste eines jungen Mannes. Untersuchungen haben später gezeigt, dass er vor ca. 15.000 Jahren gestorben ist! Die Höhle Buca della Tana di Casa Bocci ist dagegen eine sehr kleine, sehr übersichtliche Höhle, die man auch leicht und problemlos mit Kindern besichtigen kann. Bei Pian del Lago kann man ebenfalls unterirdisch ins Staunen kommen. Dort gibt es einen 2300 Meter langen Frischwasserkanal aus dem 18. Jahrhundert. Er heißt Canale del Granduc und kann hin und wieder besichtigt werden.

Sovicille

Inmitten der Wälder thront auf einem Hügel der 10.000-Einwohner-Ort Sovicille, zu dem das ganze Waldgebiet verwaltungstechnisch gehört. Der Ort hat mittelalterliche Türme und Mauern, einige beeindruckende Brücken, Kirchen, Pfarrhäuser und eine alte Burg. Auf den Wanderer warten kleine, hübsche Restaurants, in denen man noch ganz ursprünglich essen kann. Die Küche in Sovicille entspricht der Umgebung, man verarbeitet mit Vorliebe Wildschwein, Pilze und überhaupt alles, was die Wälder hergeben. In Sovicille gibt es auch eine Informationsstelle für Touristen. Dort liegen Wanderkarten aus und man erfährt, welche Sehenswürdigkeiten wann geöffnet haben.

Klöster und Villen

Eines der schönsten Klöster Italiens – das Chiostro dell’Abbazia di Santa Mustiola a Torri – liegt nur ein paar Kilometer von Sovicille entfernt. Besucher reagieren angesichts der überwältigenden Schönheit meist mit Sprachlosigkeit. Leider hat es keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Vor einer Wanderung zum Kloster sollte man sich deshalb genau informieren.
Nahe des Ortes gibt es auch die alte Villa Cetinale, die heute ein kleines privates Hotel ist und vom früheren unermesslichen Reichtum der Toskana zeugt. Die Villa ist von einem prachtvoll angelegten Park mit einer Poolanlage umgeben, und es gibt einen kleinen Hofladen, in dem man Villa-Olivenöl und andere Spezialitäten des Hauses direkt von der Quelle kaufen kann. Die Villa kann vorsichtig besichtigt werden, wird aber hauptsächlich an zahlungskräftige Touristen vermietet.

Übernachtung

In der Montagnola Senese werden restaurierte Bauernhöfe und kleine Häuser als Ferienhäuser vermietet. Auch in den Dörfern wurden einige verlassene Wohnungen inzwischen zu Ferienwohnungen eingerichtet. Außerdem sind luxuriöse Urlaubstage in alten vornehmen Villen möglich, und bei Siena, das man in 15 Autominuten erreicht, gibt es eine Vielzahl von Hotels und Pensionen.

Klima & Wetter

Das Klima in der Montagnola Senese entspricht dem der übrigen Toskana, allerdings ist es hier an heißen Hochsommertagen kühler und angenehmer. Im Hochsommer gehen die Temperaturen auf über 30 Grad, im Winter fallen sie bis zur Frostgrenze. Es kann hier durchaus auch Schnee fallen. Als Reisezeit eignen sich am besten Frühjahr, Sommer und Herbst. Die Landschaft lädt durchaus auch im Hochsommer zum Wandern ein, weil die Wälder die große Hitze etwas abhalten.

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